Wie der Keim sich durch die Erde drückt, mit all seiner Kraft und doch zart, zerbrechlich, fast glasig ist, so drückt sich das keimende Göttliche eurer Seele durch die Starre des festen Körpers, sanft aber beständig.

Nichts bleibt verborgen. Weder der Keim in der Erde, noch die göttliche Wurzel in euch. Sie warten nur auf passende Bedingungen. Es ist egal wie lange der Keim in der Erde schlummert; es ist egal wie lange das göttliche Licht in euch durch die Dichte der Materie verdeckt wird. Sicher ist, sie werden keimen.

Stark und zierlich setzt sich der Keim durch und schlägt seine ersten Triebe aus, wie das Licht in euch durch die fast undurchlässige Wand seine ersten schüchternen Strahlen erscheinen lässt – konzentriert, blendend, wie die Sonne hinter dem Berg den Morgen erweckt.

Ein nie da gewesener Duft von schmelzendem Tau betört die Luft.

Frühlingserwachen!

Noch schüchtern, zweifelsvoll entwickelt sich das Bewusstsein über das göttliche Licht eurer Seele. Es breitet sich aus, wie der frisch geschlüpfte Schmetterling seine Flügel ausbreitet, in der vertrauten Gewissheit, seine Reise erst begonnen zu haben, auch wenn ihm das Ziel verborgen bleibt.  Auch das Licht eurer Seele strahlt immer heller und kraftvoller durch die Zweifel eures Verstandes, das Ziel erahnend.

Frühlingserwachen!

Der Kelch der Blumen entfaltet sich und bietet lebenserhaltende Nahrung.

Der Kelch eurer Liebe füllt sich und spendet Geborgenheit durch einfaches Sein.

 

(Unbekannt)

Frühlingserwachen


(empfangen von A. Bodemer am 01.04.2017)