Die Bühne des Lebens


(empfangen von A. Bodemer am 07.06.2014)

Gerüche wecken Erinnerung. Erinnerungen tragen dich zu fernen Zeiten, jedoch in die unfassbare nahe Welt deiner selbst.

Das äußere Leben, das Leben des materiellen Körpers, welches du tagtäglich lebst, ist ein Spiegel, ist die Wiedergabe dessen, was dein Inneres ist. Das ist das wahre Leben – das Leben deines wahren Ich’s, deiner wahren Individualität und Identität, das Leben deines fluidischen Körpers. In dem jetzigen Leben hast du einen Namen, eine Identität – ein Kennzeichen, welches dich von allen anderen unterscheidet. Überall auf der Erde bist du eindeutig erkennbar, unverwechselbar.  Dennoch, gelten diese Merkmale nur für dieses eine Leben. Im nächsten, wirst du einen anderen Namen, eine andere Identität aussuchen, die für das Erfüllen dessen, was du anstrebst, geeignet ist.

Damit möchte ich dir die Vergänglichkeit alles Materielle nahelegen, auch der deines Körpers, denn, er ist ein Kostüm, eine Verkleidung, geeignet für die Bühne deines jetzigen Lebens und worauf du so großen Wert legst.

Die Zeit in der Materie ist wie der Auftritt in einem Theaterstück. Jeder Mensch schlüpft für eine bestimmte Zeit in eine Rolle, agiert und interagiert mit seinen Bühnenkollegen, lebt die Episode seines Lebens, die sich durch Freude und Leid zieht, bis – so wünschen wir uns – das glückliche Finale, das happy End erscheint.  Ist die Saison zu Ende, zieht jeder Darsteller weiter. Manche treffen sich wieder, manche gehen so verschiedene Wege, dass sie sich äußerst selten oder nie wieder begegnen. Und jeder steht erneut auf die Bühne, um seine Rolle, so gut wie möglich, darzustellen. Mal seid ihr Großmutter, mal Schwiegertochter, mal Sohn, mal Enkel, mal Gärtner, mal Schurke, mal Wohltäter unabhängig von der Rolle, die ihr davor hattet.

Das wahre Leben, dein eigentliches Leben beginnt, wenn der Vorhang fällt. Abgeschminkt, Perücke und Kostüm abgelegt, schaust du in den Spiegel und du erkennst dich wieder. Das Gesicht, das dich davor anschaute, war fremd und verunstaltet, nur für die eine Rolle gestaltet.

Falls dein persönliches Bühnenstück zu schwer ist, bitte ich dich daran zu denken, dass es sich nur um eine vorübergehende und zeitbegrenzte Rolle in der Unendlichkeit deines Daseins handelt; ein Auftritt, um Erfahrungen zu sammeln und Fortschritt zu erzielen. Wenn es dir unpassend scheint, verändert es, denn dafür sind alle Möglichkeiten offen. Aber wenn es dir Freude macht, lebe es bewusst, somit springt der Funke deiner Freude zu den Mitwirkenden und Zuschauern hinüber.

Dennoch, egal in welcher Rolle du dich befindest, lebt sie aus, mit dem Bewusstsein, bald von deiner Verkleidung erlöst zu werden. Davon befreit, kann das wahre Leben beginnen. 

Vielleicht wünschst du dir die Rolle einer deiner Darstellerkollegen, vielleicht jemand anderes zu sein. Vielleicht wünschst du dir die Rolle des Nachbarn, des Ehegatten oder des Kindes, welches behütet und verwöhnt sich alles erlauben darf. Vielleicht wünschst du dir die Rolle des vermögenden Geschäftsmannes oder die des Königs oder die der Tänzerin.

Sei dir aber sicher, du hast die perfekte Rolle ausgesucht, welche am besten zu dir passt, um deine Talente und Eigenschaften hervorragend in Szene zu setzen und erfolgreich diese eine Darstellung abzuschließen. Erlöst von dem Ballast, kannst du dich dann auf eine nächste, höhere, anspruchsvollere Darstellung auf eine neue Bühne vorbereiten.

Nathanael